20 Jahre friedliche Revolution – Erinnerung an die SDP-Gründung

Talkrunde mit Wolfgang Thierse, Andreas Geisel, Anne-Kathrin Pauk und Thomas Krüger, Foto: U. Horb

Für Wolfgang Thierse, SPD-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Vorsitzender der SPD in der DDR, steht fest: Ohne die Sozialdemokratische Partei (SDP) wäre es 1989 nicht zum Mauerfall gekommen: „Im Gegensatz zu vielen anderen Oppositionsgruppen in der DDR hatte die SDP viel eher begriffen: Man muss sich um die Macht kümmern.“

Gemeinsam mit Anne-Kathrin Pauk, ehemalige Vorsitzende der Berliner SDP, und Thomas Krüger, ehemaliger Geschäftsführer der Berliner SDP und jetziger Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, erinnerte sich Wolfgang Thierse in der Podiumsdiskussion „20 Jahre friedliche Revolution“ an die Entwicklung der vor dem Mauerfall am 7. Oktober 1989 gegründeten SDP in der DDR. Begrüßt wurde das Publikum von Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Berlin während des Mauerfalls. In seinen einführenden Worten rief er ins Gedächtnis: „Die Gründung der SDP ist ein Beleg für die historische Tatsache: Es waren die Bürger selbst, die diese friedliche Revolution vor 20 Jahren geführt haben.“ Moderiert wurde die Veranstaltung vom Lichtenberger SPD Kreisvorsitzenden und Bundestagskandidaten Andreas Geisel.

Wolfgang Thierse, Thomas Krüger, Siegfried Heimann, Foto: U. Horb

Wolfgang Thierse, Thomas Krüger, Siegfried Heimann, Foto: U. Horb

Am 7. Mai 1989 fanden die letzten Kommunalwahlen in der ehemaligen DDR statt. Dabei wurde der Wahlbetrug in der DDR zum öffentlichen Thema. Thomas Krüger berichtete: „Die SED erhielt 13% weniger Stimmen als sonst, ein riesiger Erfolg damals. Dennoch verkündigte sie 98,85% als offizielles Wahlergebnis.“ Die staatlich verordneten Fälschungen bei der Kommunalwahl beschleunigten das Erstarken der Bürgerrechtsbewegung.

Am 5. November 1989 konstituierte sich in der Sophienkirche der Berliner Bezirksverband der SDP. Gemeinsam mit vielen anderen erzwangen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die ersten freien Wahlen. Im Januar 1990 nannte sich die SDP in SPD um. Bereits im September vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 vereinten sich SPD Ost- und SPD Westberlin.

Der SPD-Bundestagskandidat Andreas Geisel. Foto: U. Horb

Der SPD-Bundestagskandidat Andreas Geisel. Foto: U. Horb

Eine genauere Vorstellung über die damalige Situation vermittelte der vorgeführte Film „Die SDP – Gründungsversammlung“. „Wie wir sehen, die Leute standen Schlange, um Mitglied zu werden“ kommentierte Siegfried Heimann, Vorsitzender der Historischen Kommission der SPD, den Film.

Gründungsmitglied Anne-Kathrin Pauk schilderte im Anschluss die Schwierigkeiten, die es in den Anfängen der SDP gab: „Wir hatten keine Ahnung von Sitzungsleitung, von Geschäftsordnung und  wie man damit umgeht, wie man gemeinsam Beschlüsse fasst. Woher auch?“

Auf die Frage nach der sogenannten Ostalgie und warum viele junge Leute so wenig von der DDR wissen, antwortete Thomas Krüger: “Aufarbeitung dauert Generationen. Junge Menschen können an DDR-Geschichten herangeführt werden, die berühren, zum Beispiel durch Projektarbeit oder durch Recherche in der eigenen Familie.“

Wolfgang Thierse wies darauf abschließend hin: „Die DDR war eine Diktatur, eine Staat des Unrechts und eine Mangelwirtschaft, aber sie war auch eine Solidargemeinschaft der Bürger gegen diese Mangelwirtschaft.“ Die heutige Ost-SPD habe die Aufgabe, die Stimme des Ostens zu sein, um diese Menschen zu vertreten.

Text: Petra Wolf, SPD Berlin

Zu den Videoausschnitten der SDP-Gründung in Berlin (externes Angebot der SPD Berlin)

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