Bundespräsidentenwahl – Die vertane Chance der Linkspartei
Hätte die Linkspartei am 30. Juni im 1. Wahlgang geschlossen für Joachim Gauck gestimmt, so wäre Christian Wulff jetzt nicht Bundespräsident, und ein Zerfall der schwarz-gelben Chaos-Koalition wäre nur noch eine Frage der Zeit.
Hätte, wäre, wenn: Die LINKE hat eine historische Chance vertan. Sie hatte die Möglichkeit, mit ihrer Unterstützung einen von der Bevölkerung und durch alle Parteien hoch geschätzten Bürger zum Bundespräsidenten zu machen. Die ostdeutsche Herkunft Joachim Gaucks, sein Hintergrund als Pfarrer und Bürgerrechtler machten Joachim Gauck zu einem Kandidaten, der das Amt des Bundespräsidenten, der das Amt über alle Parteigrenzen und quer durch alle Bevölkerungsschichten hätte ausfüllen und darüber hinaus zur weiteren Verständigung zwischen Ost und West hätte beitragen können.
Durch ihr Abstimmungsverhalten hat die LINKE gezeigt, dass sie all das nicht will. Mehr noch: Sie ist offensichtlich unfähig, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und ist sich in ihrer Ablehnung Gaucks nicht einmal für Vergleiche mit Hitler und Stalin zu schade. Dies zeugt nicht nur von mangelndem Respekt vor einem, der sich sein Leben lang für die Freiheit eingesetzt hat. Es zeigt auch das parteitaktische Kalkül Führung der Linkspartei, die lieber einen christlich-konservativen Parteisoldaten im Schloss Bellevue sieht, als sich mit ihrer Basis in Ost und West in die längst überfällige Auseinandersetzung um die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit als DDR-Staatspartei zu begeben. Eine Emanzipierung vom Erbe der SED/PDS ist aber notwendig, um langfristig bündnis- und regierungsfähig zu sein. Solange das nicht geschieht, kann die LINKE für die SPD kein Partner auf Bundesebene sein. Die Wählerinnen und Wähler der Linkspartei aber sollten sich fragen, warum sie eine Partei wählen, die weder willens noch fähig ist, Verantwortung zu übernehmen.





