Erinnerung an die Zeit vor 20 Jahren

“Wir wollen hier und heute die Gründer der SDP in Lichtenberg und Hohenschönhausen zu Wort kommen lassen um aus ihren Erfahrungen des Anfangs für das heute zu lernen”, so bezeichnete Andreas Geisel in seinen Begrüßungsworten das Motto der Veranstaltung “ ein Stück Geschichte der SPD- von der SDP zur SPD Hohenschönhausen und SPD Lichtenberg”, die am 9. Februar 2010 stattfand.

Nachdem am 7. Oktober 1989 die SDP in Schwante gegründet wurde, bildeten sich in den nachfolgenden Wochen und Monaten in allen Kreisen und Bezirken der damaligen DDR Basisgruppen der SDP – so auch in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Auf einer Delegiertenversammlung Mitte Januar beschloss die Sozialdemokratische Partei in der DDR nicht nur ein Programm sondern auch, dass die Partei mit „SPD“ abgekürzt werden soll. Ende Januar 1990 fanden sowohl in Lichtenberg als auch in Hohenschönhausen erste Parteitage mit Wahlen der Vorstände statt.

Viele, die damals die SDP bzw. die SPD in Lichtenberg und Hohenschönhausen aufgebaut haben, waren der Einladung am 9. Februar gefolgt. Unter Leitung von Christian Kind, dem ersten demokratisch gewählten Bezirksbürgermeister Lichtenbergs, erzählten beispielsweise Renate Hofmeister, Bert Flemming, Hans Schade und Peter Haase über ihre Erlebnisse aus den Gründertagen der SDP bzw. der SPD. Turbulent ging es auf den ersten Mitgliederversammlungen her, hatte man doch noch keinerlei Erfahrungen im Organisationsaufbau und im Führen von Diskussionen. Renate Hofmeister sprach darüber, wie sie und ihr Mann im Vorfeld Kontakte mit Genossen der Westberliner SPD herstellten, man sich heimlich zu Diskussionsrunden traf und die Materialien wie das Statut der SPD nach Ostberlin schmuggelten. Noch heute spricht sie mit bewegten Worten darüber, wie es in ihrer 61 Quadratmeter großen Altbauwohnung in Hohenschönhausen nach dem Kirchentag 1987 in Ostberlin zu einer Begegnung zwischen Walter Momper und Manfred Stolpe kam. Die Stasi allerdings war immer dabei. “Erst später haben wir herausbekommen, dass wir bespitzelt wurden. Geahnt haben wir es allerdings schon immer und waren entsprechend aufmerksam,“ so Renate Hofmeister. Peter Haase berichtete über die Rolle des damaligen Parteirates “das höchste Gremium der Basisdemokratie“, so schätzte er ein. Vielfältige Meinungen gab es beim Thema, ob nicht die SPD gleich von Anbeginn an auch Mitglieder der SED in ihre Reihen hätten ausnehmen müssen. Da reichten die Meinungen vom Fehler es nicht getan zu haben bis hin zum: „Es war richtig so.“ „Die Angst unterwandert zu werden, war bei uns groß, schließlich kannten wir ja so manchen SED – Genossen. Deshalb war es damals richtig, keinen aufzunehmen”, brachte ein Teilnehmer der Veranstaltung die Diskussion auf den Punkt.

Erinnern heißt aber auch ehren. Mehr als 50 Mitglieder der SPD Lichtenberg erhielten an diesem Abend eine Ehrenurkunde für ihre 20jährige Mitgliedschaft. Weitere Mitglieder, die am 9. Februar nicht teilnehmen konnten, werden in den nächsten Tagen und Wochen in den Abteilungen und Arbeitsgemeinschaften für ihre 20jährige aktive Mitgliedschaft geehrt.

Beitrag: Peter Müller


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.