Globalisierung

Eine Standortanalyse und eine Strategie zur Wirtschaftsförderung für den Bezirk Lichtenberg kann (wie für Berlin, wie für Berlin-Brandenburg, wie für Deutschland, wie für Europa) nicht losgelöst von den Entwicklungen der voranschreitenden und allgegenwärtigen Globalisierung erarbeitet werden.

Ganz allgemein steht Globalisierung für Arbeitsplatzabbau in Deutschland, für Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, für ungehemmten Kapitaltransfer und für Armut und verhungernde Menschen. Die Politik hat die Globalisierung nicht erfunden. Globalisierung kann auch nicht aufgehalten werden. Es kann nur darum gehen, die Auswirkungen in den Griff zu bekommen und sozial abzufedern. Es ist wahr, dass die Auswirkungen der Globalisierung von vielen Menschen – auch von Politikern – als bedrohlich empfunden werden.

Im folgenden werden 8 Aspekte der Globalisierung, gedacht als globale, weltweite Revolution, dargelegt, die als wesentlich zu bezeichnen sind:

  • atomare Massenvernichtungswaffen (Iran, Pakistan…)
  • weltweite ökologische und gesundheitliche Gefährdungen (Pandemien, Kampf ums Wasser)
  • neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IUK) mit Verfügbarkeit aller Informa-tionen und Daten in Echtzeit an jedem Ort
  • internationaler Terrorismus/Religionskriege (11. September, Madrid, London, Sauerland…)
  • Weltwirtschaftskriminalität (in Deutschland haben 16 Länderfinanzbehörden immer noch 14 unterschiedliche EDV-Systeme)
  • McDonaldisierung des Globus – kulturelle Muster werden durch kulturelle Leitmotive überformt (Amerikanisierung)
  • globalisierte Märkte für Dienstleistungen/Produktion/Warenverkehr (früher ging die Arbeitskraft zur Arbeit, heute geht die Produktion zu den billigsten Arbeitern; Beispiel: Callcenter und Softwareproduktion in Indien)
  • entfesselte Finanzmärkte, Kapitaltransfer per Mausklick (siehe IUK); nur 4% des Geldverkehrs dienen der Absicherung des Warenverkehrs – 96% dienen ausschließlich der kurzfristigen Finanzspekulation (Walter Lorenz hat dies bereits 1996 in der Berliner Stimme beschrieben).

Und hier liegt ein ganz entscheidendes Problem: Produktinnovationen (Menschen produzieren und vertreiben Dienstleistungen und Waren – Arbeitsplätze werden geschaffen) finden in der Regel nur noch dann statt, wenn mehr als 15% Rendite zu erwarten sind – ansonsten lässt man „Kapital arbeiten“, was mehr als 15% Rendite abwirft. Wenn die Realzinsen höher als die Wachstumsrate sind, wird eher im Finanzmarkt investiert.

Was können Nationalstaaten hier noch (allein) bewirken? – die Antwort liegt zwischen „nichts“ und „zu wenig)!

Vieles spricht dafür, dass einzelne Nationalstaaten im Rahmen der Globalisierung keine Überlebenschancen haben. Hier liegt geradezu ein Zwang zur Europäisierung, zur Verwirklichung des europäischen Projektes – gerade auch mit Europa als Gegengewicht zu den USA, deren durch Präsident Bush geprägte offensive Außenpolitik deutlich die Gefahr eines neuen Kalten Krieges erhöht (mit Deutschland mittendrin).

Es ist offensichtlich, dass die früheren so genannten Entwicklungsländer das Verhältnis zu den Industrienationen umkehren. Dies wird mindestens zur Angleichung der Einkommensverhältnisse führen. Mit der Konsequenz, dass die reichen Länder verlieren werden. Schon jetzt kauft China, das seit Jahren beständig ein Wirtschaftswachstum von knapp 10% aufweist unseren Stahlmarkt leer. Und Afrika entwickelt sich als Umweltverschmutzer durch Verbrennung von „schlechter Kohle“.

Kann auch eine gesellschaftliche/politische Globalisierung stattfinden (Abbau der Sprachbarrieren, Auslandsstudien/-aufenthalte, Fremdes hautnah kennen lernen und verstehen)? Wie kann der Tourismus positive Chancen eröffnen?

Autor

Rainer Wiebusch
Vorsitzender SPD Alt-Hohenschönhausen

Reaktionen ausdrücklich erwünscht an: rainer.wiebusch@spd-lichtenberg.de

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