Kraftwerk Klingenberg – Sachstand, Alternativen und Ausblick
Das Heizkraftwerk Klingenberg ist ein Teil Lichtenbergs und den Bürgerinnen und Bürgern seit Jahrzehnten vertraut. Ein Großteil des Stroms und fast die gesamte im Bezirk verbrauchte Fernwärme kommen aus dem Kraftwerk. Die große Industrieanlage bestimmt nicht nur große Teile der Ansicht von Karlshorst und Rummelsburg. Auch auf jedem Weg vom südlichen Lichtenberg in die Stadt und zurück muss das Kraftwerk passiert werden.
Seit mehr als einem Jahr ist bekannt, das Vattenfall Europe an Planungen arbeitet, das alte Kraftwerk durch einen Neubau zu ersetzen. Obwohl bisher kein Bauantrag gestellt wurde, sind Einzelheiten der Pläne in der Öffentlichkeit bekannt geworden und haben in den letzten Monaten Diskussionen unter den Anwohnern der betroffenen Gebiete, aber auch innerhalb der politischen Parteien ausgelöst.
Die Abteilungen 5 und 6 haben im Mai den Kraftwerksneubau auf die Agenda gesetzt und sich mit diesem größten Investitionsprojekt im Stadtbezirk Lichtenberg beschäftigt. Am 8. Mai waren 20 Genossinnen und Genossen zu Besuch im Kraftwerk Klingenberg. Der Leiter Heizkraftwerke Berlin Ost, Peter Siegert, erläuterte in seiner einstündigen Präsentation Geschichte und derzeitigen Zustand des Kraftwerks und beantwortete Fragen der Besucher. Dabei wurde deutlich, dass sich das in den 1920er Jahren errichtete Kraftwerk immer wieder stark verändert hat – sowohl in Bezug auf die genutzten Energieträger als auch auf das Versorgungsgebiet und die visuelle Anmutung. Siegert argumentierte, dass die Versorgung der 400.000 an Klingenberg angeschlossenen Berlinerinnen und Berliner nur durch Weiterführung und Modernisierung des Großkraftwerks zu sichern sei. Anschließend führte Produktionsleiter Harald Flügel durch die Anlage und erläuterte die Prozesse des Kraftwerks. Besonders interessant war der Besuch des Leitstandes, von dem aus alle Aktivitäten gesteuert werden, und der Hafenanlage, an der jährlich ca. 1,5 Mio. Tonnen Braunkohle aus der Lausitz ankommen und entladen werden.
Auf Basis der gewonnen Informationen führten beide Abteilungen am 14. Mai eine gemeinsame bürgeroffenen Veranstaltung durch, in der die Neubaupläne mit Experten und einer interessierten Öffentlichkeit kritisch diskutiert wurden. Dr. Andreas Schnauß von Vattenfall Europe stellte den aktuellen Planungsstand vor und sprach sich für ein neues Kohlekraftwerk und damit gegen die Alternative Gaskraftwerk aus. Karsten Smid, Vertreter der Klima- und Energieabteilung von Greenpeace aus Hamburg, kritisierte diese Pläne scharf und votierte für die Alternative Gaskraftwerk in Verbindung mit dem Ausbau alternativer Energien. Derzeitig sei das Kraftwerk Klingenberg für ca. 20 % der gesamten Berliner CO2-Emissionen verantwortlich. Kraftwerksleiter Siegert widersprach der Ansicht, Klingenberg sei „eine Dreckschleuder” und wies darauf hin, dass das Kraftwerk alle gesetzliche maximale Emissionswerte deutlich unterschreite und gerade die einmal große existierende Fernwärmeversorgung und Kraft-Wärme-Kopplung Klingenberg zu einem vergleichsweise umweltverträglichen Kraftwerk machen würden. Ellen Haußdörfer, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, berichtete von der Diskussion der Neubaupläne im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, wies auf die Erfolge Lichtenbergs bei der Wärmedämmung von Häusern hin und forderte trotz des emotionalisierten Themas eine sachliche Debatte. Andreas Geisel stellte den Standpunkt des Bezirksamtes Lichtenberg und der SPD Lichtenberg dar und betonte, dass die Pläne Vattenfalls sehr kritisch betrachtet, aber auch – im Sinne der notwendigen Energieversorgung der Bevölkerung – mit konstruktivem Willen begleitet würden.
Die anwesenden 80 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre Meinung zu vertreten. In kleinen Gesprächsrunden setzte sich die Diskussion auch nach Ende der offiziellen Veranstaltung bis in die Nacht hinein fort.
Die große Teilnehmerzahl und die positive Resonanz auf die Veranstaltung haben gezeigt, dass die Lichtenberger SPD mit dem Kraftwerksneubau genau das Interesse der Bevölkerung getroffen hat und der offene Umgang mit einem derart komplexen und umstrittenen Thema sowohl im Interesse der Bürgerinnen und Bürgern als auch der SPD Lichtenberg ist.
Gregor Költzsch






