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Vorschläge für den 10. Frieda-Rosenthal-Preis bis zum 22.08.18 einreichen

Auch im Jahr 2018 verleiht die SPD Lichtenberg den  Frieda-Rosenthal-Preis.  Bis zum 22.08.18 können entsprechende Vorschläge mit einer kurzen Begründung entweder per Mail an info@spd-lichtenberg.de oder per Post an SPD Lichtenberg, Rathausstraße 7, 10367 Berlin, eingereicht werden. Gesucht werden Menschen, die sich in außergewöhnlicher Weise für das demokratische Gemeinwesen und eine solidarische Nachbarschaft engagiert haben.

Frieda-Rosenthal-Preis 2018

„Frieda Rosenthal war eine besondere Politikerin. Sozial engagiert,  sich selbst  und nicht unbedingt einer einzelnen Partei treu bleibend, eigenständig denkend und handelnd. Sie kämpfte mutig und Parteigrenzen überwindend gegen die Nazis und bezahlte für ihren unerschrockenen Kampf mit dem Leben. Im Jahr 2008 übernahm ich die Patenschaft über den Stolperstein für Frieda Rosenthal in der Fanninger  Straße 53. Damit das Erinnern keine Eintagsfliege bliebe, stifte ich außerdem seit 2009 den mit jeweils 100 Euro dotierten Frieda Rosenthal Preis, den wir in diesem Jahr bereits zum 10. Mal verleihen werden.“, so die Vorsitzende der SPD Lichtenberg und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro.

Frieda-Rosenthal-Preis 2018

Der Frieda- Rosenthal-Preis 2018 wird am Fr., 07.09.18, 18 Uhr im Beisein des Regierenden Bürgermeisters, Michael Müller, auf dem Septemberfeuer der Lichtenberger SPD, im Garten des Nachbarschaftshauses ORANGERIE des Kiezspinne FAS e.V., Schulze-Boysen-Straße 38, verliehen. Die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger sind dazu herzlich eingeladen.

 

 

Zur Person von Frieda Rosenthal:

Die als Näherin (Stepperin) ausgebildete Frieda Rosenthal, wurde am 9. Juni 1891 in Berlin geboren. Sie war im Lichtenberger Amt für Sozialfürsorge und seit Mitte der zwanziger Jahre beim Berliner Magistrat tätig, studierte dann an der Wohlfahrtsschule des Sozialpolitischen Seminars und legte im Jahre 1930 die Abschlussprüfung als Fürsorgerin ab. Seit 1929 war sie hauptamtliche Stadträtin im Bezirksamt Mitte. 1933 gehörte sie mit zu den ersten, die von den Nazis aus dem Bezirksamt entlassen wurden. Sie war zunächst arbeitslos und arbeitete seit November 1933 wieder in ihrem alten Beruf als Stepperin.

Frieda Rosenthal hatte sich schon bald nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auch politisch engagiert. Sie trat freilich 1919 nicht in die SPD ein, sondern deren linke Abspaltung, in die Unabhängige Sozialdemokratie, in die USPD ein. Bereits 1920 wurde sie für die USPD in die BVV Lichtenberg gewählt. Als sich ein großer Teil der USPD- Mitglieder noch im Jahre 1920 der ein Jahr zuvor gegründeten Kommunistischen Partei anschloss, ging sie diesen Weg mit und machte eine schnelle politische Karriere in dieser Partei. Im Jahre 1924 wurde sie in die KPD-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg gewählt. Sie war für Agitation und Propaganda und später für Frauenbildung und Frauenschulung zuständig. Im gleichen Jahr wurde sie im Lichtenberger Wahlkreis 14 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung und bis 1933 immer wieder gewählt. In der Bezirksverordnetenversammlung und in der Stadtverordnetenversammlung nahm sie kein Blatt vor den Mund und handelte sich nach 1925 eine Anzeige wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Hindenburg ein. Sie hatte ihn, den Verantwortlichen für das Massenmorden im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite, einen Massenmörder genannt. Es verwundert deshalb auch nicht, dass sie sich, als im Jahre 1924 die Linke in der KPD für kurze Zeit die Parteiführung übernahm, auf die Seite dieser Parteilinken schlug. Sie wollte radikal sein und Schuldige beim Namen nennen. Sie sah aber auch die soziale Not in ihrer unmittelbaren Umgebung und Tag für Tag während ihrer Arbeit als Fürsorgerin. Sie begriff, dass radikale Sprüche wenig hilfreich waren, um die alltägliche Not zu lindern. Ihr pragmatischer Sinn ließ sie daher schon bald an der ultralinken Politik der kommunistischen Parteiführung zweifeln und sie schloss sich bereits Ende 1925 der gemäßigteren Parteimehrheit an.

Diese Mäßigung in der Politik der KPD hielt freilich nicht lange an. Im Jahre 1929 spätestens verfolgte die KPD unter der Überschrift „Kampf dem Sozialfaschismus“ eine Politik, die die Sozialdemokratie zum Hauptfeind erklärte, der gefährlicher sei als die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler. Für Frieda Rosenthal war damit eine Grenze überschritten. Gemeinsam mit sechzig anderen Berliner KPD-Mitgliedern kritisierte sie in einem „Offenen Brief“ die irrwitzige Politik der KPD-Parteiführung und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Sie war zunächst parteilos, danach für kurze Zeit Mitglied der SPD. Aber gerade zu dieser Zeit, im Jahre 1930, versuchte die SPD durch eine Stillhaltepolitik gegenüber den konservativen Parteien im Reichstag, im Preußischen Landtag und auch in der Berliner Stadtverordnetenversammlung das größere Übel, die Machtergreifung durch die Nazis zu verhindern. Dieser Tolerierungspolitik war kein Erfolg beschieden. Linke Sozialdemokraten kritisierten diese Politik ihrer Partei vehement und gründeten schließlich 1931 eine eigene Partei, die Sozialistische Arbeiterpartei, die SAP, der auch Willy Brandts damals angehörte. Auch Frieda Rosenthal schloss sich dieser Partei an. Und schließlich kam das Jahr 1933. Die Nazis brauchten die Macht nicht zu ergreifen. Es war der Reichspräsident Hindenburg, der Hitler die Macht übergab und ihn zum Reichskanzler ernannte. Frieda Rosenthal wartete nicht auf die Order irgendeiner Partei zum Widerstand. Zusammen mit anderen Genossinnen und Genossen, ehemalige Parteimitglieder wie immer noch aktive Parteimitglieder der KPD, aus Friedrichshain begann sie bald mit aktiven Widerstand gegen die Nazi-Diktatur. Die Gruppe verfasste Flugblätter und verbreiteten sie, so gut es ging. Für die Gestapo war Frieda Rosenthal später die politische Leiterin der KPD-Gruppe Friedrichshain. Mitte des Jahres 1936 gelang es der Gestapo, viele kommunistische Widerstandsgruppen zu zerschlagen. Dazu gehörte auch die Gruppe aus Friedrichshain. Frieda Rosenthal wurde am 19. August 1936 wegen, wie es hieß: „Vorbereitung zum Hochverrat“, verhaftet und sofort in strenge Einzelhaft genommen. Die Gestapo ordnete an, Frieda Rosenthal sei „streng isoliert zu halten“ und ihr dürfe keine „Schreib- und Sprecherlaubnis“ erteilt werden. Sie wurde in brutaler Weise verhört, weigerte sich aber standhaft, Namen ihrer Mitgenossen zu nennen. Als sie glaubte, eine Genossin belastet zu haben, weil sie zugab, sie zu kennen, widerrief sie ihre Aussage. Sie fürchtete freilich, dass der Widerruf ohne Wirkung bleiben würde und sie setzte noch am gleichen Tage ihrem Leben ein Ende. Frieda Rosenthal erhängte sich am 15. Oktober 1936 am Heizkörper ihrer Zelle.

 

Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Frieda_Rosenthal

 

Weitere Infos:

Birgit Monteiro, Vorsitzende der SPD Lichtenberg

E-Mail: info@spd-lichtenberg.de