Kevin Einenkel

Spaziergang in Alt-Hohenschönhausen

Über die Entstehung eines neuen Quartiers

von Philipp Sorgatz (Abteilung Alt-Hohenschönhausen) und Kevin Einenkel (Abteilung Friedrichsfelde-Rummelsburg)

Für einen gemeinsamen Rundgang im Zentrum von Alt-Hohenschönhausen trafen sich auf Einladung der SPD Hohenschönhausen und der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg Vertreter*innen des Projektentwicklers Zeitgeist sowie Bürger*innen. Der Projektentwickler möchte das Quartier Ferdinand-Schultze-/Gensler-/Gärtnerstraße neu strukturieren. Bei der Vor-Ort-Begehung durch das Gewerbegebiet stellten sie ihre Pläne vor und zeigten, wie die Flächen aktuell genutzt werden. Das Areal zwischen der Genslerstraße und der Ferdinand-Schultze-Straße ist zwar die geografische Mitte von Alt-Hohenschönhausen, bildet bisher jedoch kein lebendiges Zentrum für den Stadtteil. Inmitten von Wohnquartieren haben sich auf dem 27 Hektar großen Areal in den vergangenen Jahren hauptsächlich Autohändler und Werkstätten in Garagen und Barackenstrukturen angesiedelt. Weitere Flächen werden als Freiluftlager genutzt. Um den Investor zu zitieren: „Das Areal schläft einen Dornröschenschlaf“. Der Ausgangspunkt lag an der Tankstelle in der Genslerstraße. Die Route führte von dort direkt ins Gewerbegebiet, über die Bahnhofstraße hinweg wieder außen um das Gebiet herum, bis sie schließlich im Norden endete.

Blick auf das Areal an der Bahnhofstraße/Genslerstraße

Das Areal hat eine bewegte Geschichte

Bekannt ist dieses Gebiet hauptsächlich durch die Gedenkstätte Hohenschönhausen (ehem. Untersuchungshaftanstalt) des Ministeriums für Staatssicherheit. In den Jahren zwischen 1951 und 1990 arbeiteten bis zu 2.500 hauptamtliche Mitarbeiter*innen in der Haftanstalt, auf der Stadtkarte war der Ort jedoch nur ein weißer Fleck. Die heute noch vorhandenen Gleisanlagen stammen aus den 1920er Jahren und gehörten zur inzwischen stillgelegten Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde. Der Güterbahnhof Alt-Hohenschönhausen gab der Bahnhofstraße ihren Namen.

Wie sieht der Stand aktuell aus?

Kevin Hönicke, stellvertretender Bezirksbürgermeister im Bezirk Lichtenberg und Stadtrat für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung

Heute gehen auf dem Areal täglich ca. 400 Menschen Ihrer Arbeit nach. Das Besondere an diesem Quartier: Es liegt in einem sogenannten EpB-Gebiet (Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich). Gerade solche Flächen sind in Berlin mittlerweile rar und daher setzt sich der sozialdemokratische Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Kevin Hönicke, für den Erhalt ein. Er war ebenfalls bei dem Rundgang dabei und berichtete, was das Bezirksamt bereits zur Entwicklung dieses Gebietes unternimmt.

Nach den Plänen der Eigentümer könnten bis zu 3.500 Wohnungen entstehen, davon 1.500 sozial gebundene im Rahmen des „Berliner Modells“. Laut des vorgestellten Konzepts liegt der Fokus auf Miet- und Eigentumswohnungen im mittleren Preissegment. Das Plangebiet ist rundum von Wohngebieten umgeben – nach den Vorstellungen des Eigentümers ließe sich ein urbanes Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe hier sehr gut organisieren, mit allen Vorteilen für die Belebung der Mitte Hohenschönhausens. Doch Kevin Hönicke berichtet, dass die Senatsverwaltung Wohnungsbau dies hier kritisch sieht.

„Hinzukommt, dass bei einer Wohnbebauung, der Bebauungsplan und der Flächennutzungsplan geändert werden müssten. Hierfür bedarf es Zustimmung des Bezirks und des Senates. Ich bin skeptisch. Ich möchte hier Gewerbeflächen, aber keine brachliegenden Flächen.“

Kevin Hönicke

Gleichzeitig betonte er, dass es für ihn und sein Amt hier um die Fortentwicklung eines Gewerbegebietes geht.

Gewerbe und Wohnen gemeinsam entwickeln

Rund 30 Jahre nach der Wiedervereinigung besteht dringend Handlungsbedarf. Im Moment befindet sich nur rund 40.000m² genutzte Fläche auf 270.000 m² Plangebiet! Das gesamte Gebiet umfasst damit umgerechnet 40 Fußballfelder. Sandy Kliemann, Co-Fraktionsvorsitzende, betonte am Ende noch einmal: „Wir möchten Arbeitsplätze in Lichtenberg erhalten. Dabei ist uns nicht die pure Anzahl wichtig, sondern die Qualität. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass es hier Unterschiede, zum Beispiel beim Arbeitsschutz, gibt. Die Bedingungen vor Ort sollten für alle Nutzer:innen gleich sein und einem gewissen Standard entsprechen – zum Schutz der dort arbeitenden Menschen.“ Denn während des Rundgangs wurden auch deutliche Missstände in Sachen Arbeits- und Umweltschutz sichtbar.

Ausblick und Fazit

Der Austausch war wichtig und wird von uns fortgeführt. An dieser Stelle möchten wir uns bei den Vertreter:innen von Zeitgeist bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten. Wir werden das Projekt kritisch begleiten und uns weiter für eine Entwicklung und ein Fortbestehen der wirtschaftlichen Nutzung des Quartiers einsetzen damit Alt-Hohenschönhausen eine lebendige Mitte erhält. Wir freuen uns bereits auf die Folgetermine und werde über die weitere Entwicklung berichten.

Für mehr Neuigkeiten aus Alt- und Neu Hohenschönhausen: www.spd-hsh.de

Artikel aus dem Stadtblatt von Mai 2021